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Frauenfrühstück

regelmäßig immer am ersten Montag im Monat um 9:30 Uhr m Pfarrhaus Obersdorf, Eselskrippe 3

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Kirche Obersdorf

Die Kirche in Obersdorf hat wie manche in unserem Kirchspiel ihren Turm im Osten. Der Schutzheilige ist in Vergessenheit geraten, schon seit dem 17. Jahrhundert.
Über 1000 Jahre besteht der Ort wenigstens und so lange wird hier auch eine Kirche gestanden haben. Die Obersdorfer Kirche ist schon auf den ältesten Bergbaukarten als ‚Festpunkt' eingezeichnet.
Der Ort war ab 1441 als Doberstorf ein Lehen der Herren von Morungen. Dieses Geschlecht starb 1719 mit dem Tod des Wohlgeborenen Herrn Karl Otto von Morungen aus. Er liegt in einer Gruft unter dem Turm begraben. Obersdorf kam nun als Appanagegut an Johann Adolph II, Herzog zu Sachsen-Weißenfels. Er ließ, vermutlich nach einem Brand, zwischen 1727 und 1729 die Kirche neu aufbauen.
Nach der sturmbedingten Abnahme des Kirchturmknopfes im März 2002 fanden wir zwei Dokumente aus dem Einweihungsjahr 1729, ein handbeschriebenes Pergament und eine Druckschrift. Der Schreiber des Pergamentes spricht uns an als seine späten Nachkommen "wenn unser auf Erden Niemand mehr gedenket."

Der Knopf wurde 1802, 1831 und 1889 geöffnet und wieder aufgesetzt, jeweils mit zusätzlichen Dokumenten und Münzen versehen. Es haben sich bis heute acht Dokumente, einige kleinere Schreiben und 57 Münzen angesammelt, die wahrscheinlich älteste mit der Umschrift "SOLI DEO GLORIA", Allein Gott die Ehre.
Auch fanden sich Listen von Schulkindern zu der jeweiligen Zeit, in denen sich viele Namen wiederfinden, die hier auch heute noch bekannt sind.
Alle Dokumente sind in Kopie zugänglich und "übersetzt". Nach einer umfassenden Sanierung des Turmes haben wir 2003 eine neue Wetterfahne und einen neuen Knopf, gefüllt mit alten und neuen Dokumenten und Münzen, wieder hinaufgebracht. Eine Besonderheit: Die Wetterfahne zeigt die Zahl 2002!
Kopien und Übertragungen der alten Dokumente sind im Pfarramt Obersdorf in Form einer Broschüre abrufbar.
'Neue' Informationen zu Kirche und Dorf haben sich aus einer Chronik ergeben, die wir zur Zeit noch aufarbeiten. Aber einen Namen haben wir auch dort nicht gefunden.
Im Spätsommer 2005 wurde endlich das Süddach der Kirche neu gedeckt. Damit wird hoffentlich auch der Innenraum austrocknen, so dass wir auch hier in den nächsten Jahren sanieren können.

Auch der Kirchhof hat Pflegearbeiten erfahren. Lange Jahre stand hier nur Gras und anderes Kraut, eine ungepflegte Wildnis mitten im Dorf. Dann kam im April 2005 Frau Dombrow, Ein-Euro-Kraft für sechs Monate, und räumte auf. Kräuterhochbeete, ein Staudenbeet und ein kleiner Steingarten entstanden, um den Kirchhof wieder ins Dorf 'zurückzuholen'. Der Hauptweg, immer wieder verkrautet, wurde von zwei ABMern aufgenommen und neu verlegt. Neue Wege wurden angelegt, um die Beete begutachten zu können. Wir haben Rambler-Rosen gepflanzt und Sitzbänke aufgestellt zum Verweilen in dieser kleinen Oase.
Heute unterhält das "Dorf-Villa Kunterbunt" mit einigen Bewohnern die Anlage.

Bei den Pflasterarbeiten fielen uns vor dem Eingang zur Kirche zwei mächtige Platten auf, die sich als sehr alte Grabsteine erwiesen. Sie waren wohl im Zusammenhang mit den Stützpfeilern dort gelegt worden. Da sie auf der 'Schokoladenseite' lagen, blieben sie in ihrer Schönheit weitgehend erhalten. Sie stammen von 1707 und 1747/56 und liegen nun in der Kirche. Nach Sanierungsarbeiten sind sie noch vor Weihnachten 2005 in der Patronatsloge aufgestellt worden.

Am 1. Dezember 2006 fuhren 19 Personen aus Obersdorf und Umgebung nach Lauchhammer, um beim Guss der neuen Glocke für Obersdorf dabei zu sein. Es war ein Erlebnis, bei dieser Aktion zusehen zu dürfen. Faszinierend, wie aus einigen Klumpen Lehm und einem Batzen Metall ein wohltönendes Instrument entsteht, das uns alle hoffentlich für Jahrhunderte überleben wird.
Das war am Freitag. Am Montag drauf erhielt ich den Anruf aus Lauchhammer, dass der Guß perfekt geglückt sei. Somit stand einer Glockenweihe noch vor Weihnachten nichts mehr im Wege. Also machten wir uns am 17. Dezember auf, unsere neue Glocke durch Obersdorf zu begleiten. Wir hatten die Glocke auf einen Kleintransporter geladen, den uns das Autohaus Bahlmann freundlicherweise zur Verfügung gestellt hatte, die Freiwillige Feuerwehr Obersdorf zur Absicherung des Zuges organisiert und auch dem Chor Bescheid gesagt.
In der Villa Kunterbunt fing unser Weg an. Der dortige Chor sang zu Ehren der Glocke, an der sie ja auch beteiligt waren. Dann gings ins Dorf, die Straße nach Grillenberg hinauf, den Grünen Born zurück, Verschnaufpause am Schenkplatz mit Liedern des Obersdorfer Männergesangvereins, in Richtung Pölsfeld, über den Hüttenplatz zurück, noch eine Verschnaufpause am Schenkplatz mit mehr Liedern, in Richtung Gonna und zurück an die Kirche.
Vier starke junge Männer hoben die Glocke vom Wagen und stellten sie zu einem Erinnerungsfoto zusammen mit allen Anwesenden vor die Kirche. Dann fand in der Kirche der Gottesdienst zur Glockenweihe statt.
Am 19. Dezember kamen dann die Kinder der Schule Obersdorf und nahmen die einmalige Gelegenheit wahr, die neue Glocke zu bestaunen. Denn, wer sieht schon mal ein solches Instrument, ohne in den Glockenturm zu steigen.
Danach wurde sie an der ihr bestimmten Stelle aufgehängt. Um 16.30 Uhr habe ich sie dann angeläutet.
Es hat mich sehr gefreut zu sehen, wie viele Obersdorfer an diesem Tage auf den Beinen waren und sich an dieser Glockenweihe beteiligt haben.
Es fanden sich im Archiv zur Geschichte der Glocken einige interessante Unterlagen, die wir aus Anlass der Glockenweihe aufgearbeitet und in Broschürenform zusammengestellt haben, mit interessanten Einzelheiten zu Neuguß und kriegsbedingten Ablieferungen. Die Bröschüre ist über das Pfarramt erhältlich.


DIE ORGEL (Dr. Holger Brülls, 2005-08-22)

Orgelbesichtigung am 19. Juli 2005, gemeinsam mit Frau Pfarrerin Vogel
Kurzbegründung des Denkmalwertes
Erbaut 1884 als opus 54 von Wilhelm Rühlmann (Zörbig), 14 Register, zwei Manuale und Pedal, Schleifladen, mechanische Traktur, Spielschrank frontal, fünfachsiger Flachprospekt in einfacher Ausführung im Rundbogenstil, im klanglichen und technischen Aufbau unverändert im Zustand der Erbauungszeit erhalten, orgelbaugeschichtlich bemerkenswert als Beispiel einer zeittypischen Landorgel im hochromantischen Klangstil aus der Werkstatt eines der erfolgreichsten mitteldeutschen Orgelbauer des späten 19. Jh. (Ladegast-Schüler) mit marktbeherrschender Position in der Region um Halle.

Disposition
I. Hauptwerk C-f'''
Bordun 16'
Principal 8'
Hohlflöte 8'
Gambe 8'
Octave 4'
Gedact 4'
Octave 2'
Mixtur 3fach

II. Hinterwerk
Salicional 8'
Lieblich Gedact 8'
Flauto amabile 4'

Pedal C-d'
Subbass 16'
Octavbass 8'
Gedact 8'

Nebenzüge
I-P, II-I

Zustand
nicht spielbar, stark restaurierungsbedürftig


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